Auszug:

Bildung in der Planung und als
Ziel des Unterrichts
Im Folgenden ist unter Unterrichtsprinzip die Betonung eines grundsätzlichen vom jeweiligen Fach nicht direkt abhängigen Gesichtspunktes zu verstehen, der in einem oder mehreren Unterrichtsfächern zu beachten ist, z. B. die Pflege des sprachlichen Ausdrucks in allen Unterrichtsfächern oder der gelegentliche oder stete Rückblick in die Geschichte im Fach Sozialkunde. Unterrichtsprinzip ist nicht zu verwechseln mit Unterrichtsgrundsatz. Unterrichtsgrundsätze sind z. B. Lebensnähe, Anschaulichkeit, Gegenwartsnähe, Berücksichtigung des Erfahrungsbereiches der Schüler. (Vgl. dazu: Josef Dolch, Grundbegriffe der pädagogischen Fachsprache, München, 1960, 3. Aufl.)
Von alters her gehört zur Vorbereitung des Lehrers auf eine Unterrichtsstunde die Zielsetzung.

1. Materiale und kognitive Ziele
Das ist das Wissen und Können, das erreicht werden soll. Das einschlägige Fachbuch in seiner üblichen Form in den Händen des Lehrers wie der Schüler ist nur ein Lehrbuch – mehr nicht. Es beinhaltet Informationen darüber, dass etwas ist, was dieses Etwas bewirkt, berichtet über dessen Zweck und beschreibt dessen Zustand, stellt Fakten (d. i. Geschehenes und Festgeschriebenes) fest, zeigt einen Verlauf auf, geht manchmal auf die Entwicklung oder Geschichte dieses Etwas ein und sagt aus, wie und wann, in welcher Weise und wozu etwas zu verwenden ist. Der Inhalt eines solchen Fachbuches kann Unterricht nicht ersetzen, auch wenn der vermeintliche Unterricht nach dem Duktus dieses Fachbuches erfolgt. Wird nur das Fachbuch verwendet, findet kein Unterricht statt. Methodische Griffe des Lehrers, die dem Schüler das Verstehen dieser „Sache“ erleichtern, bestimmen zwar den Verlauf und die Anordnung der Schritte hin zu einer Kenntnisnahme in Bezug auf Wissen, welches als Sachinformation abfragbar und bewertbar ist. Das alles allein aber ist nicht Unterricht.

2. Formale Ziele
Hier wird insgesamt die Förderung von angelegten Neigungen und Fähigkeiten angestrebt, im Einzelnen die Schulung des folgerichtigen Denkens, die Förderung der Aufmerksamkeit und Konzentration, die Interessenweckung, die Erweiterung des Interesses, das allmähliche Erlernen von Methoden, mit denen Erkenntnisse gewonnen werden können, die Verfeinerung des Geschmacksempfindens, die Hinführung zur Fragehaltung, die Weckung der Neugierde usf.

3. Erziehliche Ziele
Will Erziehung als ein von außen gesteuerter Vorgang nicht in Dressur oder blinde Anpassung abgleiten, bedarf es eines einsichtigen und überzeugenden Bildes, das sich der Lernende allmählich aus Wissen erwirbt, dem in Freiheit gefolgt werden kann. Erziehung und Bildung sind so als Einheit zu sehen.
Das Bemühen, das gesetzte materiale Ziel (Wissen und Können) und das formale Ziel (Schulung der angelegten Fähigkeiten und Strebungen) zu erreichen, um dabei ein Stück des Weges zur erziehlich wirkenden Bildung weiter zu kommen, das insgesamt nennen wir Unterricht. Das materiale Ziel ist vorgegeben. Die formalen Ziele sind ersichtlich aus den anzunehmenden allseitigen Anlagen des Menschen. Wo aber ist der Bildungsgehalt zu finden? Er hat seine Wurzeln in den Fakten, wie jeder Inhalt auch seinen Gehalt hat. Anders gesagt: Er entwickelt sich aus den Fakten in das Fakultative. Das Faktische ist hier eine Vorstufe des Fakultativen.
Der Bildungsgehalt öffnet sich auf folgenden Stufen: Am Anfang steht die Wahrnehmung. Ihr folgen das Denken, die nähere Betrachtung, das kritische Befragen und das intensive Hineindenken in das, was wir Sache nennen. Dem schließt sich an das Nachdenken als Kontrolle unseres Wahrnehmens und Denkens. Dem Nachdenken hat zu folgen das Nachdenklichwerden (Nachdenklichkeit) in Abstand, Muße und Beschaulichkeit unter Einbeziehung persönlicher Erfahrungen und Beobachtungen aus anderen Bereichen und in Abwägung, um dann wertend entscheiden und handeln zu können.

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